Tiefbahnhof: Die Krux mit dem zahlenden Dritten                                         von Viktor Rüegg

Man stelle sich vor, der Kanton Luzern müsste den von Luzerner Regierungsräten, National- und Ständeräten so heiss ersehnten Tiefbahnhof selber finanzieren... Die Last der 2,5 Mia. (nicht Mio.) schweren Bürde würde den Honorationen das gegenseitige Zuprosten vergraulen. Vielleicht würde sich der eine oder die andere gar auf die Suche nach einer kostengünstigeren und zugleich regionalverkehrsfreundlicheren Variante aufmachen, wie sie etwa der Verein Bahndreieck Luzern Nord erarbeitet hat (s.www.bahndreieck-luzern-nord.ch). Doch solch kritische Gedanken sind heute systembedingt weder erwünscht noch nötig: Alle Luzerner und Innerschweizer haben sich vielmehr von links bis rechts blind zusammenzuschliessen, um das Fehlprojekt Tiefbahnhof (am falschen Platz und im Vergleich zum Verkehrsfortschritt viel zu teuer) beim Bund durchzuboxen. Denn der „Bund“ bezahlt den Tiefbahnhof via „Fabi“ ganz alleine. Und in Bern lassen die Vertreter anderer Regionen die Innerschweizer mit ihrem Eintopf-Projekt schön in Ruhe, weil diese jenen umgekehrt bei analogen Projekten auch nicht dreinzureden pflegen. Völlig unwichtig ist dabei, dass Bund und Fabi ebenfalls aus unsern Steuern und Abgaben finanziert werden ‒ und die SBB-Tarife auch wegen zunehmend kostspieligerer Abgeltung der Infrastruktur steigen und steigen…      

Damit der nur indirekt tangierte, übergeordnete Dritte ohne Murren bezahlt, täuscht man also Einigkeit und angeblich optimierte Projekte wider besseres Wissen vor. Dieses Flattieren hat bei der Realisierung fragwürdiger Monsterprojekte System: So weist sich die portugiesische Ferieninsel Madeira trotz relativ geringem Autobestand über extrem breite, in steilste Hänge einbetonierte Schnellstrassen aus  ‒  finanziert aus dem Fördertopf der EU. Diese Systemfehler wären ‒ auch in der Schweiz ‒ einfach zu korrigieren: Die vor Ort profitierende politische Gemeinschaft sollte sich mit mindestens 10% ‒ 20% an den Kosten beteiligen müssen; so würden auch die Luzerner Volksvertreter in Windeseile kritischer  ‒  und vernünftiger.    

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